Ein Jahr im Leben einer Fledermaus
Fledermäuse halten etwa 5-6 Monate Winterschlaf. Da sich unsere heimischen Flattermänner ausnahmslos von Insekten ernähren, bleibt ihnen gar keine andere Wahl, als den insektenarmen Winter von Anfang November bis Ende März einfach zu verschlafen. Im Gegensatz zu Eichhörnchen oder Braunbären, die „Winterruhe“ halten, machen Fledermäuse einen richtigen Winterschlaf und wachen nur sehr selten auf. Im Herbst haben sie sich ein dickes Fettpolster angefressen und 20-30 % an Gewicht zugelegt.
Stoffwechsel im Winter
Sie suchen ihre kühlen, aber möglichst frostfreien, Winterquartiere auf, beispielsweise Höhlen, Stollen oder sogar Keller. Dort hängen sie kopfüber, oftmals eng in ihre Flughaut gewickelt, und drosseln ihren Stoffwechsel auf ein Minimum. Während ihr Herz sonst bis zu 800-mal pro Minute schlägt, beträgt die Herzfrequenz im Winterschlaf nur noch 18-80 Schläge pro Minute und auch die Atmung wird stark verlangsamt. Sie senken ihre Körpertemperatur auf nur wenige Grad ab und sollte die Außentemperatur drastisch abfallen, so muss auf Kosten der Fettreserven die Körpertemperatur erhöht werden. Während des Winterschlafs verlieren Fledermäuse etwa 30 % ihres Körpergewichtes. Werden die Tiere währenddessen gestört und versehentlich geweckt, so brauchen sie bis zu einer Stunde, um ihren Stoffwechsel wieder hochzufahren und verbrennen dabei unnötig viele Kalorien und das mühsam angefressene Fettpolster schwindet. Fledermaushöhlen sind daher oftmals für Besucher im Winter gesperrt, um die kleinen Flugkünstler nicht zu stören. Wenn sie zu oft aufwachen und ihre Reserven unnötig verbrauchen, können diese nicht bis zum Frühjahr ausreichen und die Tiere überleben nicht.
Guten Morgen im April
Geweckt von den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling, machen sich die Fledermäuse direkt auf Futtersuche. Nach der langen entbehrungsreichen Zeit plagt sie natürlich ein riesiger Hunger. Zeitgleich machen sie sich auf den Weg in ihre Sommerquartiere, wo die Weibchen auch direkt trächtig werden. In Abwesenheit der Männchen wohlgemerkt! Denn die Paarung hat bereits vor dem Winterschlaf stattgefunden und die Spermien überdauern im Geschlechtstrakt des Weibchens mehrere Monate, bis die Temperaturen wieder wärmer werden und es bei dem Weibchen zum Eisprung und zur Befruchtung kommt.
Die Weibchen schließen sich zu Gruppen zusammen, die man „Wochenstuben“ nennt, dort bringen sie ihre Jungtiere (meist nur eines) zur Welt und ziehen diese gemeinsam auf. Nach etwa 50 Tagen Tragzeit werden die winzigen Jungtiere geboren. Bei kleinen Arten wiegen die Fledermaus-Babys gerade einmal zwei Gramm. Umso unvorstellbarer ist es, dass sie nach vier bis fünf Wochen Säugezeit bereits selbstständig damit anfangen Insekten zu jagen. Die Männchen verbringen diese Zeit als Einzelgänger oder in kleinen Gruppen zusammen mit anderen Männchen. Selten trifft man sie in Wochenstuben zusammen mit dem Nachwuchs und den Weibchen an.
Balzzeit
Wenn der Nachwuchs Mitte September aus den Wochenstuben auszieht, beschäftigen sich die Fledermäuse direkt mit der Produktion der nächsten Generation. Die Männchen warten in ihren Balzquartieren und locken die Weibchen mit typischen Lauten zu sich in ihre Baumhöhlen, um sich mit ihnen zu paaren. Neben der Paarung sind die Fledermäuse nun hauptsächlich damit beschäftigt, so viel Nahrung wie nur möglich aufzunehmen, um sich die für den Winterschlaf nötige Fettschicht anzufressen. Im November machen sich die geflügelten Akrobaten wieder auf zu ihren Winterquartieren, um bis zum nächsten Frühjahr, hoffentlich ungestört, durchzuschlafen.